Junge Sozialisten in der SPD

Bildungsarbeit

Unser Verständnis von Bildungsarbeit

Mit unserer Bildungsarbeit wollen wir jungsozialistische Werte vermitteln und unsere Mitglieder dazu befähigen, politisch zu denken und zu handeln. Wir wollen unsere Mitglieder aktivieren und untereinander vernetzen.

Die Stärke unseres Verbandes beruht auf guter Bildungsarbeit. Wir wollen neue Mitglieder methodisch und inhaltlich empowern. Schon länger Aktiven und Funktionsträger*innen soll ein Angebot zur Vertiefung und Vernetzung geboten werden. Gleichzeitig soll Bildungsarbeit der verbandsinternen Diskussion ausreichend Raum geben.

Bildungsarbeit findet in unserem Verband überall statt. Wissen weitergeben, vom Wissen der anderen profitieren und uns gegenseitig in der argumentativen Auseinandersetzung rhetorisch und inhaltlich stärken, davon lebt der Verband.

Bildungsarbeit ist für uns daher auf allen Ebenen eine nicht wegzudenkende Säule der Juso-Arbeit. Sie beginnt vor Ort in euren lokalen Juso-Gliederungen. Ihr seid die erste Anlaufstelle für neue Mitglieder. Bei euch werden sie durch erste politische Bildungsangebote, bei Sitzungen, bei Veranstaltungen und in der Diskussion miteinander politisch sozialisiert. Die Landes- oder Bezirksebene macht meist ein noch deutlich weitergehendes Bildungsangebot. Hier werden diverse unterschiedliche Formate angeboten, die möglichst vielen Mitglieder ein Angebot machen wollen. Auf Bundesebene wird die Arbeit vor Ort und in den Landesverbänden und Bezirken durch Seminare und Großveranstaltungen ergänzt und unterstützt. Auch hier sollen möglichst viele ein Angebot zur Diskussion und zur Weiterbildung finden. Gleichzeitig bietet das Frauen*empowermentprogramm oder das Politikdiplom zusätzliche Vertiefungsmöglichkeiten für Aktive, die sich auf Bundesebene vernetzen und weitergehende Angebote wahrnehmen möchten.

Zu guter Bildungsarbeit gehört auch, dass wir uns immer wieder die Frage stellen: Wen wollen wir erreichen und wen erreichen wir tatsächlich mit unserer Bildungsarbeit? Wir wollen eine inklusive Bildungsarbeit machen, die alle Mitglieder anspricht und ihnen die Teilnahme ermöglicht. Dabei wollen wir Rücksicht auf unterschiedliches Vorwissen und persönliche Erfahrungen nehmen. Niemand soll auf Grund der Rahmenbedingungen von unserem Bildungsangebot ausgeschlossen sein. Auch deshalb müssen unsere Formate immer wieder evaluiert werden und wir auch mal was Neues ausprobieren.

Moderation und Steuerung

Anders als in der Schule beruht unser Verständnis von Bildungsarbeit auf Freiwilligkeit und Augenhöhe. Dies sollte sich auch in der Moderation widerspiegeln. Verabredet zu Beginn eines Seminars gemeinsam Regeln, wie ihr miteinander arbeiten wollt. Wann soll es losgehen? Wem gebe ich Bescheid, wenn ich krank werde? Wie Verbindlich ist die Teilnahme? Dürfen Fotos gemacht werden? Fühlt ihr euch gestört, wenn Teilnehmer*innen zwischendurch aufs Handy schauen? Wie oft braucht ihr Pausen?

Als Moderation hast du wahrscheinlich einen Wissensvorsprung, bist jedoch nicht allwissend. Wichtig ist ein wertschätzender Umgang mit allen Teilnehmer*innen. Hör aufmerksam zu und frag nach, wenn du etwas nicht verstehst. Versuche auch zwischen den Teilnehmer*innen eine vermittelnde Rolle einzunehmen, sollte dies notwendig sein.

Formuliere möglichst klare Arbeitsaufträge z.B. für Gruppenarbeiten und frage immer nach, ob alle den Auftrag verstanden haben, bevor es losgeht. Bleib bei Gruppenarbeiten ansprechbar für Fragen, gib den Gruppen dabei aber den notwendigen Freiraum selbst zu arbeiten.

Visualisierung ist wichtig! Notiere Gesagtes auf einer Flipchart oder auf Moderationskarten. Auf diese Weise gehen Beiträge nicht verloren und die Teilnehmer*innen fühlen sich gehört. Hole Einverständnis für Formulierungen oder Zuordnungen zu einem Oberthema ein. Für einen Input kannst du die Visualisierung bereits im Vorfeld erstellen. Mit schön gestalteten Flipcharts oder Präsentationen bringst du den Teilnehmer*innen auch Wertschätzung entgegen. Dafür musst du nicht einmal besonders gut zeichnen können. Für einfache Illustrationen findest du online eine Vielzahl an Anleitungen.

Im Seminar kann es immer wieder zu Störungen kommen. Das kann ein kaputter Beamer oder fehlendes Material sein, oder auch „störende“ Teilnehmer*innen. Grundsätzlich gilt: Ruhig bleiben! Für technische Probleme lässt sich in der Regel eine schnelle Lösung oder Alternative finden. Am besten überlegst du dir bereits im Vorfeld einen Ausweichplan. Bei Teilnehmer*innen, die unruhig sind, eine Mitarbeit verweigern oder dich ständig kritisieren und in Frage stellen, verweise auf die Regeln, die ihr euch gemeinsam gegeben habt. Du kannst den*die Teilnehmer*in auch im Einzelgespräch z.B. in der Pause ansprechen und nach dem Grund für ihr Verhalten fragen. Versuche auf die Bedürfnisse der einzelnen Teilnehmer*innen einzugehen ohne die restliche Gruppe aus dem Blick zu verlieren. Mit der Zeit wirst du dafür eigene Strategien entwickeln und viel entspannter auf Störungen reagieren. Hilfreich können dafür auch Moderationstrainings und ganz viel Übung sein.

Aufbau und Spannungsbögen von Seminaren

Bevor du ein Seminar planst, solltest du überlegen, was du überhaupt vermitteln möchtest. Finde einen roten Faden für dein Seminar. Vielleicht verbindest du dein Thema mit einer Geschichte aus deinem Alltag oder einem Bild, das die Teilnehmer*innen abholt.

Überlege dir, wie du deine Botschaft sinnvoll mit einer Methode verbinden kannst. Möchtest du Wissen vermitteln? Sollen die Teilnehmer*innen befähigt werden, selbst aktiv zu werden? Geht es vorrangig um eine Vernetzung? Nicht jede Methode passt zu jeder Botschaft und jedem Inhalt. Welche für dich und dein Thema funktionieren musst du selbst herausfinden. Es spricht überhaupt nichts dagegen, mal einen Text zu lesen. Achte aber darauf, dass du genug Abwechslung einbaust, um die Konzentration der Teilnehmer*innen zu fördern.

Für viele Themen gibt es bereits Musterseminare, auf die du zurückgreifen kannst.

Ergebnissicherung

Bildungsarbeit hat unterschiedliche Ziele zum einen sollen Teilnehmer*innen neues Wissen, neue Perspektiven, Diskussionen, weitergehende Skills und neue Argumentationen mitnehmen.

Manchmal kann so eine Dokumentation auch bestimmte Ergebnisse für Menschen nutzbar machen, die an einer Bildungsveranstaltung nicht teilnehmen konnten.

Auch wenn im Rahmen eures Bildungsangebotes eine Debatte weitergeführt werden konnte und ihr inhaltlich neue Erkenntnisse oder Klärungen erreichen konntet, werdet ihr diese sicher festhalten wollen.

Häufig ist eine Ergebnissicherung auch nur im Rahmen der Veranstaltung nützlich, wenn ihr anderen Gruppen oder Workshops eure Arbeit präsentieren wollt oder auf Grundlage der Ergebnisse weiterdiskutiert werden soll.

Die erste Frage muss deshalb immer sein, wofür dient diese Ergebnissicherung? Wer soll mit ihr weiterarbeiten und zu welchem Zweck?

Ergebnissicherung für Teilnehmer*innen 

Insbesondere wenn in kleineren Gruppen über eine längere Zeit als einen Workshop zusammengearbeitet wurde kommen häufig umfangreichere Ergebnisse und diverse unterschiedliche Inputs zusammen.

Um zu einem späteren Zeitpunkt Ergebnisse nachlesen zu können, daran weiter zu arbeiten oder dieses Wissen an anderer weitergeben zu können, empfiehlt es sich daher Ergebnisse festzuhalten.

Zur Bildungsarbeit können auch qualifizierende Teile gehören, bei denen Teilnehmer*innen neue Skills lernen wie bei einem Rhetoriktraining oder einem Workshop zur Sitzungsgestaltung und Moderation, auch hierfür kann es hilfreich sein, noch einmal bestimmte Methoden nachzulesen.

Eine für alle Teilnehmer*innen zugängliche Ergebnissicherung sollte zum einen eine auch mit größerem zeitlichem Abstand noch zu geordnet werden können. Da diese Ergebnisse nicht an die Öffentlichkeit weitergegeben werden, sondern im Kreis der Teilnehmer*innen also innerhalb des Schutzraumes bleiben, können hier auch zum Beispiel Ergebnisse von Gruppenarbeiten auch als Fotodokumentationen miteinander geteilt werden.

Organisatorisch Bieten sich hierbei gemeinsam einsehbare Ordner in einer Cloud oder das Versenden der Dokumente per Mail im Nachgang einer Veranstaltung an.

Ergebnissicherung für Menschen die nicht teilgenommen haben

Ob Ergebnisse auch für Nicht-Teilnehmer*innen zugänglich gemacht werden sollen hängt stark von der Veranstaltung ab. Inputs, wie sie zum Beispiel bei einem Neumitgliederseminar gegeben werden um Verbandsstrukturen verständlich zu machen und oder Grundlagen Workshops zu unseren Grundpfeilern Feminismus, Antifaschismus, Internationalismus und Sozialismus können zum Beispiel in Form von gut verständlichen und zum Teil selbsterklärenden PowerPoint-Präsentationen auch in einem internen Bereich einer Homepage zur Verfügung gestellt werden.

Fotodokumentationen von Ergebnissen einer Kartenabfrage oder eines Worldcafés oder auch Ergebnisse von Gruppenarbeiten, die im Rahmen eines Workshops entstanden sind, müssen deutlich vorsichtiger gehandhabt werden. Im Rahmen eines Workshops schafft ihr immer auch einen Schutzraum. Ohne Rücksprache die Notizen, Ideen oder Diskussionsbeiträge aus dem Workshop weiterzugeben sollte deshalb genau abgewogen werden.

Auch sind oft aus dem Zusammenhang eines Workshops, Seminars oder Diskussion gerissene einzelne Materialien oder Aussagen für Nicht-Teilnehmer*innen nicht verständlich oder nicht hilfreich.

Durch Vorstände erstellte Stichpunktlisten oder thesenartige Zusammenfassungen, die Organisator*innen einer Veranstaltung im Nachhinein erstellen, können dagegen auch für alle die nicht dabei waren als Überblick hilfreich sein und können zum Beispiel auch als Anhang an eine E-Mail über einen Juso-UB Verteiler oder an die UB/KV-Vorsitzenden verschickt werden.

Festhalten eines Debattenstands

Häufig werdet ihr mit einer Bildungsveranstaltung auch das Ziel verfolgen eine verbandsinterne Debatte weiterzuführen oder eine Meinungsbildung in euren Gliederungen herbeizuführen. Um diesen Stand festzuhalten, bietet es sich an, eine klein Gruppe zu benennen oder dem Vorstand oder den Organisator*innen die Aufgabe zu übertragen, die Ergebnisse in einem Antrag festzuhalten.  Dazu können zu zuvor festgelegten Fragen am Ende eines Workshops eine Diskussionsrunde organisiert werden, bei der diese zentralen ggf. streitigen Fragen diskutiert werden, um dazu für einen Antrag ein Stimmungsbild zu erzeugen.

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