Jusos Berlin diskutierten Geschlechtergerechtigkeit in Israel und Palästina
Eine etwas andere Perspektive auf die Situation in Israel und Palästina wählte die Delegation der Jusos Berlin, die Anfang April unsere Partner im Willy Brandt Center besuchte, um sich mit Fragen von Geschlechtergerechtigkeit in beiden Gesellschaften zu beschäftigen. Ein intensives Gesprächsprogramm mit Vertreterinnen aus Politik, zivilgesellschaftlichen Frauenorganisationen und Wissenschaft gewährte tiefe Einblicke in die Geschlechterverhältnisse beider Gesellschaften und die wesentlichen Aktionsfelder und Herausforderungen der Frauenbewegungen in Israel und Palästina. Auch wenn der Israel-Palästina Konflikt dabei nicht im Mittelpunkt des Programmes stehen sollte, war er doch stets präsent. Insbesondere die Gespräche mit Vertreterinnen der palästinensischen Frauenbewegung wie beispielsweise Amal Khreishah verdeutlichten, wie stark die Durchsetzung von Frauenrechten und Gleichstellung in der Gesellschaft an ein Ende des Konfliktes geknüpft ist.
In beiden Gesellschaften finden sich zudem starke Einflüsse religiöser Kräfte, die Frauenrechte massiv bedrohen. In Israel versuchen ultraorthodoxe Gruppierungen die Freiheit von Frauen im öffentlichen Raum einzuschränken. In Jerusalem wurden im letzten Jahr heftige Auseinandersetzungen über Geschlechtertrennung in Buslinien geführt, die religiöse Stadtviertel passieren. In Tel Aviv fand im letzten Jahr in einer öffentlichen Konzerthalle ein Popkonzert mit getrennten Bereichen für Männer und Frauen statt. Die beiden Stadträtinnen Laura Wharton aus Jerusalem und Tamar Zandberg (beide Meretz) aus Tel Aviv berichteten eindrücklich von ihren Kampf gegen diese Entwicklungen.
Die palästinensischen Frauen streiten dagegen vor allem gegen religiöse Einflüsse auf das Familienrecht.
Auch nach dem Delegationsprogramm werden Feminismus und Geschlechtergerechtigkeit im WBC weiterhin Thema bleiben. Eine israelisch-palästinensische Frauendelegation reist im Juni nach Deutschland, um die Diskussion mit den Jusos über Feminismus und Geschlechtergerechtigkeit fortzusetzen.
Text: Britta Lenz
Der Austausch wurde ermöglicht dank der Förderung des deutsch-israelischen Jugendaustausches ConAct.
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